Elektropneumatische Orgeltrakturen bei Walcker
+++ nach Besuch bei Oberkirchenrat Dr. Martin Kares in Karlsruhe bin ich vermehrt an der Vorbereitung eines Referats "Elektropneumatik - Entwicklung und technische Gestaltung bei der Firma Walcker" tätig, das am 30.Mai 1912 in Karlsruhe bei der VDO-BDO-Tagung gehalten werden wird.
Diese Tagung steht unter dem Themenschwerpunkt "Elektropneumatik". Und hier war die Firma Walcker seit 1905 in jedem Falle in vorderster Front tätig.
Wer die ersten pneumatischen Steuerungen sieht und dann das Einwirken der Elektrik in diesen Bereich untersucht, der ist allerdings sehr erstaunt, wie zurückhaltend sich diese elektrischen Magnete bemerkbar gemacht haben. Ursprünglich war bei der ersten Elektropneumatik der "Magnet" als ein unbedeutendes Rädchen im Getriebe der Orgelpneumatechnk, das Hand in Hand mit druckluftbetriebenen Bälgchen arbeitete. Magnet und Steuerbälgchen hatten sogar gleichartige Größen und Reguliervorrichtungen. Nicht wie später, ab den 30er Jahren, als der Hebelmagnet alle vorangehenden pneumatischen Elemente ausklammerte und "Schaltungen" in Elektromechanik ausgliederte, die zuvor noch pneumatisch bewerkstelligt wurden. Große Kräfte wurden allerdings immer noch mit pneumatischen Bälgen bewegt. Bei Walcker hat sogar in den 1960-70er Jahren eine Rückwärtsbewegung vom Binder-Magnet zum pneumatischen Schleifzugapparat stattgefunden, wegen mangelnder Steuerungstechnik.
Bekannt ist auch der Standpunkt des Orgelreformers Emile Rupp (Strasbourg, Do-Reinoldi, Illmenau u.a.) der das elektropneumatische System für das Zukunftssystem der Orgel hielt. Hierbei hat sich der gescheite Mann aber getäuscht.
Metaphysiker sollten bei Beschreibung von Technik vorsichtig sein, denn im Zeitalter der Technik kommt man dem religiösen Gedanken, der in der Orgel steckt, nicht mit Mystik oder Hermeneutik entgegen, sondern nur, indem man die Technik blank und deutlich nicht mehr diskutiert, ja nicht einmal erwähnen darf. Für Insider: warum Prometheus zu den Menschen gerechnet werden muss und nicht zu den Göttern... (gwm)



