Walcker-Orgelbau seit 1780

Die nächsten Monate...

Oscar und König Wilhelm II. ca 1912

Aus Moskau haben wir die Mitteilung erhalten, dass Oscar Walcker's Erinnerungen ins Russische übersetzt wurde (damit endlich Putin gescheites Zeugs zu lesen bekommt).

Bei der Übersetzung haben sich mit manchen schwäbischen Begriffen Probleme gezeigt, wie z.B. wie Oscar nach seinem Besuch bei Mutin, dessen geistige Zurückgebliebenheit als "geistige Hinterviertel" abqualifizierte. Hierzu wurde ich konsultiert, ob dieser Sprachgebrauch der Norm entspräche, was ich so beantworten konnte, dass es im Orgelbau auch heute noch viel "geistige Hinterviertel" gäbe, dies läge einfach am Medium der historischen Rückwärtsgewandheit, wo also die Vergangenheit die Hauptrolle spielt und nicht die Zukunft.

Zudem befindet sich unser großes Projekt in Bukarest, Südafrika und Morelia/Mexico in positiver Entfaltung. Wir sind gespannt wie die weitere Entwicklung der nächsten Wochen sich zeigen wird.

Bukarest - Orgelfest

übersetzt aus dem rumänischen Text der "Cantus Ecclesiae", bei der alle Orgeln in Bukarest aufgeführt werden, und besonders unsere Walcker-Orgel mit schönen Aufnahmen dargestellt wird:
Walcker-Orgel des rumänischen Athenäums in Bukarest spielt auf im Cantus Ecclesiae
1935 wurden auf Initiative von George Enescu Mittel für den Bau der Konzertorgel des Rumänischen Athenäums in Bukarest aufgebracht, ein Instrument, das im hinteren Teil der Bühne aufgestellt wurde. Die Orgel wurde von E.F. Walcker & Co. Ludwigsburg Württemberg gebaut und am 22. April 1939 mit einem Konzert von Franz Schütz, dem Direktor der Hochschule für Musik in Wien, eingeweiht.
Die Orgel im Rumänischen Athenäum ist die einzige von Oscar Walcker gebaute Orgel in einem Konzertsaal, die über die Jahre hinweg sowohl klanglich als auch bautechnisch vollständig erhalten geblieben ist und noch heute den authentischen Klang von Oscar Walcker besitzt.
In der Familie Walcker ist die Tradition der Orgelbauer so lang und stark, dass es Gerhard Walcker-Mayer, der Urenkel von Oskar Walcker, war, der die jüngste Restaurierung des Instruments in Bukarest im Jahr 2012 abschloss.


Bleibt anzumerken, dass wir in ein paar Wochen in Bukarest mit Musikern zusammentreffen, um die Orgel klanglich an bestimmte Wünsche anzupassen.
Die Restaurierung der Walcker-Orgel fand übrigens von 2007 bis Sept. 2008 statt, wurde also vor rund 16 Jahren abgeschlossen. Ja, Zeit vergeht schnell, sollte man nicht glauben.

Die Orgeln im Petersdom zu Rom

In der nachfolgenden PDF-Datei haben wir alle Orgeln des Peterdoms in Rom aufgeführt.
Bei einigen dieser Orgeln war der Ursprung von Walcker gelegt.

Welche Orgeln heute noch spielbar sind ist allerdings nicht eindeutig belegt.
Die meisten Orgeln, die ich in Rom vorfand waren aber ohnehin seit Jahrzehnten schon nicht mehr spielbar.

rom_petersdom_orgeln.pdf [7181 KB]

Reise nach Mittelamerika

Von Costa Rica und San Salvador ging es wieder zurück nach Europa, leider in einer mehr als fragwürdigen, von der Lufthansa organisierten Flugreise über Zürich nach Frankfurt. Aber wie alles andere, haben wir auch das überlebt.
In El Salvador hat der Präsident es geschafft mehr als 75.000 Mafiaglieder ins Gefängnis zu stecken, weswegen nun von Haiti bis Bolivien alle Staaten sich dieses Land als Vorbild nehmen, um in ihren Ländern Ordnung zu schaffen.

Die Kriminalität, so ein deutscher Goldschmied aus San Salvador, der eine Firma mit 40 Beschäftigten dort besitzt und diese mir nach einem vorzüglichen Mittagessen in seinem Golfclub vorgeführt hatte, ist danach radikal zurückgegangen. Leider aber ist in den Staaten Mittelamerikas die Orgelmusik sehr stark durch populistische Bands mit Keyboards zurückgedrängt worden, ja die meisten Pfarrer kennen zu Beerdigungen und Heiraten nichts anderes mehr als überlaut dargebotene Kirchenschlager. Und wer dann dreimal am Tag in der Kirche diese Radioschlager lautstark ertragen musste, der ist von "Kirchenmusik a la Hispanoamérica" restlos geheilt.

In San Salvador, beiliegendes Foto stammt von einem Gottesdienst am Sonntag in einer Arena statt in der wunderschönen Basilika, die alle Gotteshäuser der Stadt an Schönheit überstrahlt, bei der mit entsetzlicher Populärmusik und einer Predigt, die mich eher an ein kabarettistisches Schelmenstück erinnerte. Und offensichtlich fühlten sich die Gemeindeglieder dort wohl. Nun, ich bin sehr ernüchtert aus den Ländern zurückgekehrt, die mich früher durch ihre Besucherzahlen verzückt hatten, nun aber eine Entwicklung zeigte, wie wir das ohnehin auch in kleinerem Maßstab in Deutschland abbilden.

Die Walcker-Orgel im Dom zu Riga

Diese Orgel wurde 1984 von der niederländischen Firma Flentrop restauriert und mit einem schönen Beitrag des Niederländers Steketee, Zaandam, in einem Heft der ARS ORGANI 1985 geehrt (diesen Beitrag habe ich als PDF-Dokument [8441 KB] hier beigefügt). Darin wird auf erstklassige Weise sowohl Technik wie Stellung der Orgel aufgezeichnet. Mich hat besonders beeindruckt die Darstellung der 9 durchschlagenden Zungenregister, worüber wir regen Diskussionsaustausch mit verschiedenen Interessenten führen. In jedem Fall tritt als ganz besonderes Register die Bombarde 32' als durchschlagend hervor, mit Maßen von 3m Fußlänge und einem Resonator mit 6,5m Länge. Diese Maße sollten von der Eberhard Friedrich Walcker-Orgel aus Boston übernommen worden sein, wo zum ersten Mal auf dem amerikanischen Kontinent derartige Pfeifenregister eingebaut wurden.
Also allein um diese "Durchschlagenden" ist Riga eine Reise wert, aber wo sonst kann man noch original empfundenen "Liszt" auf der Orgel hören.
Übrigens auf dieser free-reed-pipe-stops-Seite können wir einiges über durchschlagene Zungen erfahren und sogar eine Abbildung der Physharmonika 8' aus dem IV. Manual von Riga sehen.
gerhard@walcker.com 03/2024

Oscar und Familie 1904

Dieses schöne Foto zeigt Oscar Walcker mit Familie in den Ludwigsburger Favoritengärten im Jahre 1904.
Schön gelöst steht Oscar da, rechthändig auf seinen Bruder Friedrich gestützt. Die Kinder Heinrich und Hildegard, meine Großmutter, zu seinen Füßen. Ein Jahr später hatte Oscar die entscheidende Auseinandersetzung mit seinem Onkel und Kommerzienrat Karl Walcker in Sachen Weiterentwicklung der Orgeltraktur. Dann nämlich setzte sich Oscar gegen Karl mit der "elektrischen" durch, als er in München mit Max Reger dessen Orgel im Odeonsaal auf elektropneumatische Kegelladen einbaute. Zur Zeit, als dieses Foto gemacht wurde, waren die Planungen dafür in vollem Gange.

Klaus Schulten "Orgeln im Nahen Osten"

Orgeln in Nahost, das wäre eine recht umfangreiche Lektüre. Aber der Untertitel belehrt uns, dass das Syrische Waisenhaus Jerusalem und seine Orgeln im Spiegel der Zeit darunter verstanden sein sollen. Somit sind nur die von uns installierten beiden Orgeln nach dem Libanon (Khirbet Kanafar) und Jordanien (Russeifa) noch existent. Der übrige Textteil des Buches stützt sich auf Orgelhistorie von 1898 bis zu nicht mehr realisierten Orgelplanungen von Hermann Schneller 1965.
Als Anhang wurde noch zu Ehren der Firma Weigle die Orgel der Erlöserkirche Jerusalem hinzugefügt, was aber mit dem syrischen Waisenhaus eigentlich nichts zu tun hat.
Das Buch enthält mehrere Schriftensammlungen, die das Werk und Denken von Hermann Schneller ehren. Der Gedanke von Mission und Ökumene in Nahost, wir haben es selbst erst vor wenigen Monaten erfahren dürfen, lebt auch heute in diesen extrem schwierigen Zeiten weiter, aber in anderen Formen.

Morelia, Mexico, Opus 1188, III/58

Die Walcker-Orgel wurde in den 1960er Jahren von Tamburini klanglich stark beeinträchtigt. Das und seine nun obsolet gewordene Elektrotechnik müssen ausgetauscht werden. Dazu haben Anfang der 2000er Jahre Amerikaner an der Orgel gewirkt, indem die über 3600 Bälgchen mit Polypel bestückt wurden. Auch hat man Teile der Windanlage neu beledert und das Pedal mit 145mmWS hochgefahren, was klanglich eruptive oder eher abschreckende Wirkungen verursachen kann.
Neben der technischen Substanz haben wir so auch einen Verlust der klanglichen Grundstruktur zu verzeichnen. Es wird in jedem Fall schwierig, das Ganze wieder auf ein Niveau von 1905 anzuheben. Klar ist auch, dass zuerst einmal unsere Konzentration auf die technische Erneuerung aller Trakturteile gerichtet werden muss.

von unserem Freund und Orgelbauer Vitaliy

erfahren wir, dass auch er in Lwiw (Lemberg) ins Militär eingezogen wurde. Seine Frau und Tochter konnten sich vorerst nach Polen retten.
Wir haben ihm unsere Hilfe angeboten und hoffen, dass der Widerstand der freien Ukraine gegen die russische Aggression Folgen haben wird.
Ich war im Jahr 2013 anlässlich einer Restaurierungsanfrage in Schitomir und habe dort verschiedene Vorschläge eingebracht. Es gibt auch einen ganz passablen Reisebericht aus der Ukraine. Auch in der Evang. Kirche in Schitomir wurde eine Walcker-Orgel gebaut unter Opus 1709. Ich hatte damals Gelegenheit mit zwei Bischöfen über die politische Lage im Land zu sprechen.
Mit Vitaliy haben wir sowohl in Costa Rica wie in San Salvador schöne Restaurierungen durchführen können.

Die letzte Walcker-Orgel für eine Synagoge

Die Orgel in den Templo Libertad im Zentrum von Buenos Aires wurde im Jahr 1931 mit 26 Reg. auf II.Manuale als Opus 2339 gebaut. Es war die letzte Synagogenorgel die Walcker vor der Machtergreifung baute. Merkel erinnerte daran, dass sämtliche für Synagogen gebaute Walcker-Orgeln während der Zeit des Nationalsozialismus zerstört wurden. "Eine wieder spielen zu hören" so sagte die gerührte Kanzlerin, "war sehr bewegend!".
In Argentinien gibt es, als ehemaligem Zufluchtsort von Mengele & Co. sowie der Vergangenheit einer Militärdiktatur, heftige Diskussionen in Sachen Antisemitismus und Vergangenheitsaufarbeitung. Diese Aufarbeitungen, wie wir das aus eigener Erfahrung wissen, sind wichtige Aufgaben, um die man in keinem Land herum kommt.
Jüdische Allgemeine 15.Juni 2017

Die Musik in Geschichte und Gegenwart sowie Meyers Konversationslexikon kostenfrei gegen Abholung abzugeben.