Reise Colombia - Costa Rica

Reise Südamerika

Meine Reise nach Südamerika nimmt morgen ihren Anfang.
Zunächst werde ich in der Deutschen Gemeinde in Bogota Umintonation der Walcker-Orgel vornehmen. Es folgt eine Arbeit an einer weiteren Orgel der Gemeinde. Besuche und Beratung stehen an im Gimnasio sowie im Konzertsaal.
Nach einer Woche werde ich nach San José, Costa Rica fliegen um Arbeiten in der Catedral an der Schyven-Orgel vorzunehmen. Offensichtlich hat man die Barker falsch einreguliert. Um dann in der Wallfahrtskirche in Cartago die Walcker-Orgel zu begutachten. Es wird ein größeres Presseaufgebot erwartet, das unsere Freunde Orlando und Bosco organisiert haben. Wir hoffen endlich diese Orgel in den Zustand der Wiederspielbarkeit zurückführen zu können. Vielleicht reicht noch ein Besuch in La Carmen oder in Guadalupe ... in Grecia, La Merced, Soledad etc...- ich glaube wir haben mehr als 10 Kostenanschläge in Costa Rica abgegeben) Jedenfalls werde ich sowohl in Kolumbien als auch von Costa Rica laufend "blogmässig" auf unseren Seiten berichten. gewalcker@t-online.de
------------------------------------------------------------------------------------
Links zum Thema: SchyvenOrgel in San José
Orgeln in Costa Rica
Different Colors of Costa Rica
Walcker-Orgel in Grecia
Orgeln in Colombia
und in unseren Blogs:
Aeoline- Blog

erster Reisebericht "Colombia"

Walcker-Orgel Mateo

Die Reise nach Südamerika über die USA, ein 48 Stundentrip mit Schikanen, wie die Pass- und Kofferkontrolle durch die einschlägigen US-Marines, kann ich niemandem empfehlen. Ein Mister Bormann bemängelt meine Zollangaben (für Transitreisenden). Aber es ist schön morgens um 6 Uhr in Bogota anzukommen, ins Taxi zu steigen mit dem treuen Joaquin, der mich abholt, um schon bei ersten Sonnenstrahlen bald im Stau zu stehen. Ja, hier in Bogota fährt man früh los. Alles drängt zur Arbeit in die 8 Millionen-Metropole. Eine Stadt, die wohl mit anderen wie Rio zu den teuersten Städten des Kontinents zählt. Nach erstem Bettkontakt im kolonialen Casona Usaquen, gerade zwei Stunden Schlafen waren erlaubt, treffe ich nach einem Fußmarsch von 25 Minuten in der Deutschen Evangelischen Gemeinde ein, um dort mit Pfarrer Reppich alles Orgelbetreffende zu besprechen. Das Wetter ist grandios, 25 Grad Sonnenschein Mittags, abends sorgen 12 Grad für kühlen Abschied aus der Tageswelt. Das Hotel hat 4-5 Gäste. Kolonial besagt, dass die eine oder andere Lampe schief hängt, das Wireless mehrmals in der Woche angemahnt werden muss, und die warme Dusche ebenfalls auf Abmahnungen größten Wert legt. Aber die Leute sind freundlich, lächeln, im Gegensatz zu Bediensteten der großen Hotels, und bald fühlt man sich wie in einer großen Familie. (gwm)

zweiter Reisebericht "Colombia"

Deutsche Gemeinde Bogotá

Unser Walcker-Positiv aus 1975 wurde neu intoniert. Der Klang wandelte sich von einer "Schreienden auf der Streckbank" zu einer "Singenden". Was den Pfarrer veranlasste einen deutschen Orgelprofessor zu workshops und Orgelkonzerte in die Deutsche Gemeinde einzuladen. Dabei wollen wir veranlassen, dass dieser Organist auch gleich in Bogotas Konzertsaal "Luis Angel" und auf der berühmten Walcker-Orgel in Cali konzertieren kann. Alle notwendigen Drähte glühen bereits.
Morgen geht es dann weiter nach Costa Rica zu Orlando, Bosco und Hans Miller, um vor allem die Walcker-Orgel in Cartago einer Sanierung zuzuführen. Begeisterung für Orgel ist in Costa Rica bei diesen Leuten ein Naturphänomen. Hoffen wir, dass bald auch folgenreiche Entscheidungen auf oberer Ebene gefällt werden.

dritter Reisebericht

Pfeifen in Cartago CR

Ein Zwischenstopp in Costa Rica: Die Walcker-Orgel in Cartago, um die ich mich nun bald zehn Jahre bemüht habe, steht kurz vor dem ex (Regenschaden). Die mechanische Kegelladenorgel in der dortigen Katedrale kann bald entsorgt werden (massiver Holzwurmbefall). Die Orgel der Kathedrale in San José ist praktisch unspielbar geworden, durch unfachliche Eingriffe. Die wunderbare Cavaillé-Coll in Soledad, San José, elementar zerstört, zwei dicke Kreuzschlitzschrauben stecken symbolisch in den Backen des filigranen Spieltisches und zeigen dem flüchtigen Besucher wohin diese Reise geht. Alles das hat mich zu dem nachfolgenden Text animiert.
Das Drama um Costa Rica's Orgeln ist, dass hier absolut keine Fachleute in Sicht sind. Dafür aber jeder der sich berufen fühlt, in Orgeln eindringt und diese Instrumente substantiell zerstört. Die wunderbare Cavaillé-Coll-Orgel wurde wegen Holzwurmbefall des Emporenbodens abgebaut, wieder aufgestellt und in verheerender Weise repariert. Das Instrument kann man vergessen. Eine Restaurierung nach europäischen Maßstäben würde durch die Wiedergutmachungsmaßnahmen exorbitante Preise hervorrufen, was die desinteressierte Priesterschaft kaum in Bewegung versetzen wird.
Dasselbe betrifft die wunderbare Schyven-Orgel, die allein durch fehlerhafte Regulierung der Traktur (an den falschen Stellen) und Totalverstimmung in den Zungen praktisch unspielbar geworden ist. "Zu Gottesdiensten reicht es...", als ob man Gott mit zweitrangiger Musik den Dienst erweisen kann, während Konzerte völlig unmöglich geworden sind. Das heißt, der "Ästhet", der Wertmaßstab der Kunst, wird nun auch in den katholischen Kreisen höher eingeschätzt, als die Heilige Messe.
Die wenigen Orgeln, die in Costa Rica überlebt haben, werden auf diese Weise ihr Nirwana finden. Wir können von außerhalb kaum in diesen Prozess eingreifen, eben weil die Priesterschaft die Orgel oft als Konkurrenz sieht, mindestens aber als unliebsamen Schnörkel, der genauso gut durch Elektronik oder Gitarre ersetzt werden kann.
Hier wird das riesengroße Loch des Nihilismus, wie er sich jenseits von Kult und Kultur offenbart, deutlicher sichtbar als bei uns. Wo wir doch den Fundamentalismus eher in anderen Religionen vermuten und mit guter "deutsch-chinesischer Technik" aufzufüllen oder gar zu ersetzen gedenken.
Mir wird bange um die Länder südlich Nordamerikas. Die USA und Kanada habe ich längst von der Landkarte alles Kulturbemühens gestrichen -... der Untergang des Abendlandes hat längst konkrete Formen angenommen. In diesen Ländern sehen wir in einen schwarzen Spiegel, der uns die Dunkelheit zeigt, auf die wir zusteuern.

Artikel La Nacion über Walcker-Orgel in Cartago

Die Zeitung "La Nación" San José, Costa Rica, hat am Sonntag, den 01.März, einen umfassenden Artikel über die Schäden an der Orgel in Basilika Cartago gebracht, den wir hier teilweise wiedergeben. Dieser Artikel befindet sich auf der Seite der Zeitung "La Nacion" mit vielen weiteren Bildern aus der Orgel. Das Bild links unten ist aus einem Beitrag der Zeitung eingefügt, der über den Verlust der Orgeln in Costa Rica berichtet.

Cartago - San José

Links: online Artikel auf der Seite der Zeitung "La Nacion" Printausgabe als PDF [11.725 KB] , Video von LaNacion über unseren Besuch Feb2015